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Cold Music

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Preisen wir den Unterrock

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Preisen wir den Unterrock

Zugegeben – ich mochte ihn nicht. Meine Tanten hatten immer darauf bestanden, daß unter langen Kleidern (und es gab nichts anderes als lange Kleider und Röcke…) ein Unterrock oder Unterkleid getragen wurde. Aus durchscheinender Synthetik, pastellfarben, mit dünnen Trägern und Spitze im Oberteil, und mindestens bis zum Knie reichend. Als ich dann alt genug war, um auf Jeans und Shirt zu bestehen, hatte sich auch das Thema Unterrock fürs erste erledigt. Obwohl es im Fernsehen diese alten Filme gab, mit Elizabeth Taylor oder Sophia Loren – und beide schienen den halben Tag lang im Unterkleid herumzulaufen, und das hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Wenn man sich dann schließlich mehr und mehr für Retro-Kleidung entscheidet (besonders was das Darunter angeht), ist es allerdings unvermeidlich: all die Häkchen, Knöpfe, Clips und Schleifen machen sich unweigerlich bemerkbar, und Abhilfe schafft das schicke Unterkleid: das Material nicht zu filigran, aber schön geschmeidig und glatt fließend.

Und natürlich hat es auch seine erotischen Reize, dieses Zwischenstadium wenn man ausgezogen ist – aber nicht nackt. Wenn pralle Rundungen schwer im dünnen Stoff liegen, die Blöße unter straffen Falten und bestickten Säumen zu erahnen ist. Ich bin mir ziemlich sicher, daß manche der Herren, die mir dabei zugeschaut haben wie ich „Hausarbeit“ im gerüschten,  altmodischen Unterkleid erledigt habe, nicht nur fragwürdige Erinnerungen aufgefrischt haben… der (oder die) einzelne wird zu feuchten Spielen inspiriert worden sein, möchte das nass auf der Haut klebende Material erkunden, ertasten was drunter ist…

Es bleibt allerdings der einfache praktische Nutzen – gerade ein figurbetonter langer Rock trägt sich ausgesprochen angenehm über einem Unterkleid: da schwingt und fließt der Stoff, ohne das es hakt oder aufträgt. Und wenn man nach der Arbeit zuhause ist, kann man den Rest des Tages im Unterrock verbringen. Wie die Loren: ausgezogen, aber nicht nackt.

Bücher des Jahres

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Bücher des Jahres

Eine der angenehmsten Überraschungen des letzten Jahres war die deutsche Veröffentlichung der »Lady Killer«-Bände bei Dark Horse/Panini. Die Geschichten um die »Hausfrau, Mutter und Auftragskillerin« im Amerika der 50er Jahre wurde von der »Helheim«-Zeichnerin Joelle Jones stilsicher gezeichnet in einem Mix aus franko-belgischer Ligne Claire und zeitgemäßer Experimentierfreude mit Layout und Farbgebung. Offensichtlich ist die Freude an der Gegenüberstellung von pastellenem Familienleben (mit Kindern, Hund und einem schlichten Gatten) und der splitter-mäßigen Schilderung der nicht immer nach Plan verlaufenden Morde.

Und nicht nur bei Blutspritzern und zerstückelten Opfern zeigt sich eine fabelhafte Lust am treffend dargestellten Material und Detail: allein die Strümpfe der Protagonistin sind einen zweiten Blick wert – von den hautfarbenen Nylons der Hausfrau über Feinstrümpfe mit Strapsen bei der Tupperware-Party bis zur Strumpfhose mit Naht im Striplokal… Und vor allem steht die zeichnerische Meisterschaft im Dienst der Story – die Handlung schlägt immer wieder Tarantino-artige Haken und spielt lustvoll mit dem buchstäblichen Zerstückeln der erwartbaren Klischees.

 

Die beiden anständig produzierten Softcover-Bände enthalten zusätzliche Sketchbooks mit Titelseiten, Skizzen und anderen Artworks und Ideen.

Joelle Jones/Jamie S. Rich: Lady Killer | Band 1 | 136 Seiten | Panini Comics

Joelle Jones/: Lady Killer | Band 2 | 136 Seiten | Panini Comics

Sexbeat Reunion

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Sexbeat Reunion

Endlich bin ich mal wieder zum Jahreswechsel in Berlin, und aus alter Tradition traf ich mich am Silvesterabend mit meinen Freundinnen, Bekannten und Weggefährten zum »Stammtisch«. Dieser Stammtisch war vor etlichen Jahren ins Leben gerufen worden als ich und einige andere aus der Club- und Erotikszene bemerkten, daß wir uns immer mal wieder begegneten – obwohl wir uns aus dem Fetisch-Nightlife-Trubel längst zurückgezogen hatten. Diese anonymen Swingerparties waren nicht unser Ding, und unabhängig voneinander lebten wir unsere Vorlieben und Erotik-Phantasien bei privaten Kontakten und in mehr oder weniger festen Beziehungen aus. Aber auch bei privaten Treffs gab es Einladungen, Gäste, Restaurant- oder Kinobesuche, und schließlich hatte Elvira, eine Trans-Dame mit interessanten Neigungen und ebensolchen Bekannten, die Idee zu einem Mädels-Treff, bei dem man sich austauschen, ausjammern und entspannen kann.

Eine kleine Pension in Schöneberg, die einige von uns bereits als neutralen »Treffpunkt für eine Nacht« kannten, war die ideale Location. Und so öffnete Heiner, der Besitzer im Beinahe-Ruhestand,  alle sechs Wochen seine (eigentlich längst stillgelegte) Bar und wir trafen uns zu kleinen oder großen Plauder-Runden. Im Laufe der Zeit wurde daraus der Silvester-Stammtisch, und auch in diesem Jahr konnte die unermüdliche Elvira den derzeitigen Besitzer der Pension dazu überreden, uns für einen Abend die Schlüssel zu überlassen. Konnten wir uns also in vertrauter Umgebung treffen.

Abgeholt wurde ich von Cookie, mit der ich in den 90ern meine ersten Techno- und Fetischparty-Erfahrungen gesammelt hatte; inzwischen hatte sie eine Familie (die sie pünktlich um Mitternacht zurückerwarteten), aber ihr Lederkleid passte noch wie früher. Die gute Elvira begrüßte uns in alter Frische – ihrem Look als viktorianische Zofe hatten die Jahre eher gutgetan. »Bist du jetzt auch beim Bullet-Bra gelandet?« bemerkte sie mit Blick auf meine Oberweite. »Aber du kennst mich doch: ein guter alter Triumph-Doreen hat den gleichen Effekt…«

Im Laufe des Abends wuchs unsere fröhliche Runde tatsächlich auf sieben Teilnehmer. Jeder hatte Snacks, Getränke und Gebäck mitgebracht, und wie üblich bei einem solchen Veteranen-Umtrunk wurden alte (hauptsächlich) und neue Anekdoten zum besten gegeben. Ich konnte berichten, daß der Professor wohlauf und rüstig war und sich mittlerweile hauptsächlich seiner Bibliothek und weniger etwaigen Gespielinnen widmete, und erfuhr zu meiner Genugtuung daß sich trotz Internet und unsähligen Fetischforen kaum etwas geändert hatte in den Clubs – abgesehen vom Selfie- und Handyfoto-Wahn und den daraus folgernden Verboten (und regelmäßigen Diskussionen darüber).

Ein Bild allerdings, daß garantiert nicht in der Google-Suche auftauchen wird, ist dann wohl unser traditionelles Erinnerungsfoto: gegen halb elf (»bevor Freund Alkohol uns hemmungslos macht…«) gingen wir in eines der Pensionszimmer – nach wie vor eingerichtet im 70er West-Berlin-Stil mit Furniermöbeln und Öl-Landschaftsbild an der Wand. Eine Kamera wurde aufgebaut, überflüssige Kleidung (und die eine oder andere Hemmung) wurde abgelegt, und für eine gute halbe Stunde tummelten wir uns auf dem großen Bett: eine Blondine im weißen langen Satin-Unterkleid, eine Rubens-Dame mit Schnürkorsett in Bischofs-Violett, eine nackte Angeberin 😉 mit interessanten Tattoos an der Hüfte und weiter unten, eine leicht gebräunte Schwarzhaarige in Mieder und Strapsen (Tattoos nicht sichtbar), eine gemütlich-rundliche Brillenträgerin mit offener Bluse und ebensolchem BH, unsere ewige »Kleene« (inzwischen auch um die Dreissig) mit Piercings und in Seidenwäsche, und eine Dunkelhäutige im mehr als schulterfreien Abendkleid.

Ich meinte mich zu erinnern, daß dies das Zimmer (und zweifelsohne das gleiche Bett) war, in dem mir damals erstmals die überraschenden Freuden des Doppeldildo-Höschens nahegelegt wurden, und auch die anderen konnten von bizarren und (im Nachhinein) lustigen Erlebnissen in diesen Räumlichkeiten berichten. Hier waren immer mal wieder zögernde Herren (meistens) und neugierige Paare (seltener) aufgetaucht, die nach vereinbarten Decknamen fragten, und manchmal entwickelten sich aus den üblichen Erstkontakt-Gesprächen angeregte Plaudereien, die nicht selten in einem dieser Nebenzimmer endeten. Vielversprechende Beziehungen wurden hier angebahnt – oder gleich wieder beendet. Apropos Anbahnung: im Laufe des gestrigen Geplauders berichtete mir Moni von einem (wie sie es ausdrückte:) niveauvollem Herrn, der offenbar an meiner Bekanntschaft interessiert wäre… – mit spezieller Vorliebe für Ketten und Lederfesseln. Du liebe Zeit! Diese Art von Kontakten hatte ich schon länger hinter mir gelassen – aber vielleicht lag es an der ausgelassen-lasziven Stimmung: der Gedanke gefiel mir irgendwie.

Vielleicht ein gutes Vorzeichen für das neue Jahr – immerhin endete der Abend damit, daß sich drei von uns noch weit nach Mitternacht bei (z.T. Natur-) Sekt und Sahne (Elvira war auch dabei) im besagten Nebenzimmer wiederfanden. Happy New Year!

Vier vom Doppel-Quartett

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Lazin‘ on a (Black) Sunday…

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Normal Weekend 2

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Normal Weekend 2

Die Ergebnisse meines Einkaufsbummels waren die Resultate eines Besuchs in einem kleinen Wäschegeschäft, in dem man mich zu meiner Erheiterung seit 20 Jahren als »Fräulein Fatima« begrüßt. Nun kann man ja alle Arten dieser »komplizierten Unterwäsche« (wie meine jüngeren Freundinnen vom Boxclub es nennen) inzwischen bequem im Internet besorgen, und auch in den Dessous-Abteilungen der Kaufhäuser lassen sich – neben dem üblichen ‚praktischen‘ Mikrofaser-Zeug – manche Überraschungen finden, aber manchmal ist eine persönliche Empfehlung genau das Richtige. Besonders wenn sie von jemandem kommt, der nicht nur meine Maße und Größen kennt, sondern auch weiß, bei welcher Marke der Cup D »…immer ein Cup C« ist.

Wie das weiße Korselett der Marke Kudreshov. Ohne Häkchen oder Reißverschluss formt es nur dezent, aber es sitzt fantastisch. Und – was relativ selten ist – bei den vier Strumpfhaltern befinden sich die hinteren wirklich ‚hinten‘ (also da, wo bei Nylons die Naht ist), nicht an der Seite. Das mag für manche gewöhnungsbedürftig sein (z.B. beim Sitzen), aber da ich einige Hüfthalter und Korsetts mit sechs Strapsen benutze, für mich nichts neues. Die Strumpfhalter sind ganz kurz (und nicht verstellbar), und das sorgt für den exakten Halt nicht nur der Strümpfe, sondern auch des gesamten Korseletts. Der umverstärkte BH-Teil stützt selbst meine prallen Brüste zuverlässig ohne das etwas verrutscht. Und mit sehr elegantem Mitschwingen beim Gehen (was ich sonst eigentlich zu vermeiden suche).

 

Festen Halt gibt ein Klassiker wie der Longline-BH ‚Doreen‘ von Triumph. Dies ist wirklich ein Meisterstück der Schneiderkunst: ohne Einlagen oder Drähte, lediglich mit strategisch gesetzten Nähten werden die Brüste in eine fast schon ‚Bullet Bra‘-ähnliche Form gebracht.

Mit den breiten Trägern, dem bequemen unteren Band und dem breiten Rücken ist das alles ein Muster an Funktionalität und Passform. Und wie die Dame im Wäschegeschäft bei der Anprobe so schön formulierte: »Da kennen wir doch alle einige Herren, die bei dem Anblick allen Anstand verlieren…«