RSS-Feed

Normal Weekend 2

Veröffentlicht am
Normal Weekend 2

Die Ergebnisse meines Einkaufsbummels waren die Resultate eines Besuchs in einem kleinen Wäschegeschäft, in dem man mich zu meiner Erheiterung seit 20 Jahren als »Fräulein Fatima« begrüßt. Nun kann man ja alle Arten dieser »komplizierten Unterwäsche« (wie meine jüngeren Freundinnen vom Boxclub es nennen) inzwischen bequem im Internet besorgen, und auch in den Dessous-Abteilungen der Kaufhäuser lassen sich – neben dem üblichen ‚praktischen‘ Mikrofaser-Zeug – manche Überraschungen finden, aber manchmal ist eine persönliche Empfehlung genau das Richtige. Besonders wenn sie von jemandem kommt, der nicht nur meine Maße und Größen kennt, sondern auch weiß, bei welcher Marke der Cup D »…immer ein Cup C« ist.

Wie das weiße Korselett der Marke Kudreshov. Ohne Häkchen oder Reißverschluss formt es nur dezent, aber es sitzt fantastisch. Und – was relativ selten ist – bei den vier Strumpfhaltern befinden sich die hinteren wirklich ‚hinten‘ (also da, wo bei Nylons die Naht ist), nicht an der Seite. Das mag für manche gewöhnungsbedürftig sein (z.B. beim Sitzen), aber da ich einige Hüfthalter und Korsetts mit sechs Strapsen benutze, für mich nichts neues. Die Strumpfhalter sind ganz kurz (und nicht verstellbar), und das sorgt für den exakten Halt nicht nur der Strümpfe, sondern auch des gesamten Korseletts. Der umverstärkte BH-Teil stützt selbst meine prallen Brüste zuverlässig ohne das etwas verrutscht. Und mit sehr elegantem Mitschwingen beim Gehen (was ich sonst eigentlich zu vermeiden suche).

 

Festen Halt gibt ein Klassiker wie der Longline-BH ‚Doreen‘ von Triumph. Dies ist wirklich ein Meisterstück der Schneiderkunst: ohne Einlagen oder Drähte, lediglich mit strategisch gesetzten Nähten werden die Brüste in eine fast schon ‚Bullet Bra‘-ähnliche Form gebracht.

Mit den breiten Trägern, dem bequemen unteren Band und dem breiten Rücken ist das alles ein Muster an Funktionalität und Passform. Und wie die Dame im Wäschegeschäft bei der Anprobe so schön formulierte: »Da kennen wir doch alle einige Herren, die bei dem Anblick allen Anstand verlieren…«

Advertisements

A Normal Weekend

Veröffentlicht am

Ramadan und eine unverhoffte Begegnung

Veröffentlicht am
Ramadan und eine unverhoffte Begegnung

Eine Woche Ramadan – und es ist erstaunlich, wieviel Zeit man hat, wenn das Frühstück vor Sonnenaufgang stattfindet. Das sind – wenn man sich auf die verkürzte Nachtruhe eingestellt hat – gute drei Stunden bevor der übliche Tagesablauf beginnt. Da kann man dann in aller Ruhe (Achtung: Klischee!) auf Vorrat Hijabs bügeln, das schon seit Ewigkeiten herumliegende Magazin über B.B. King lesen, abgerissene Spaghettiträger am Unterkleid annähen, oder statt direkt zur U-Bahn zu gehen einen Spaziergang im Park machen.

Um dort dann beim Minigolfplatz auf einen älteren Herren zu treffen, der gestenreich bittet, man möge doch die Musik-Ohrstöpsel abnehmen. Ohje, morgens um sieben bereits ein ortsunkundiger Tourist… – aber keineswegs: nach kurzem Drumherumgerede fragt er, ob ich vielleicht… möglicherweise… in aller Höflichkeit gefragt… das Hausmädchen sei, dem er gelegentlich bei einem gemeinsamen Bekannten… nunja: den Hintern versohlt habe.

Ich bin vor Überraschung tatsächlich einen Moment lang sprachlos. Ein unliebsames Wieder-Erkennen? Einigermaßen unscheinbar gekleidet wie ich bin – Jeans, lockere Bluse, knielange Sommerjacke und passendes Kopftuch – hat ihn, wie sich bald herausstellt, die Art wie der Hijab das Gesicht umhüllt, wie die Nadeln den Faltenlauf fixieren, unwillkürlich an damals erinnert.

Er ist also tatsächlich einer jener Gäste, die mein damaliger „Professor“ gelegentlich einlud, um seine devote Dienerin bei erotischen Rollenspielen vorzuführen. Die höfliche, ungezwungene Offenheit beiderseits führt dazu daß wir bald in ein amüsiertes Gespräch vertieft sind, während wir ohne eigentliches Ziel durch den Park schlendern. Er erzählt, daß er ja nun im Ruhestand sei, und sich gerade bei „den Jungs“ am Parkeingang „was zum Rauchen“ besorgt habe: „Preise haben die inzwischen! Naja, ich brauch das ja eigentlich nur wegen meinem Rücken…“ Er ist erstaunt als ich ihm erzähle, daß ich diese regelmäßigen „Dienste“ als unterwürfiger Part bei fantasievollen Rollenspielen weitgehend aufgegeben habe; er wirkt aber interessiert als ich erwähne, daß ich nach wie vor Korsett und Mieder trage – zu seiner Freude beschreibe ich ihm dann detailliert, was ich derzeit an Unterwäsche trage.

Schließlich muß er dann doch zu seinem Auto zurück – er wohnt inzwischen außerhalb der Stadt – und wir tauschen Telefonnummern (er) und Mail-Adressen (ich) aus. Man sollte sich doch wirklich mal auf einen Kaffee treffen…

Den ganzen Tag freue ich mich amüsiert, wie ungezwungen diese eigentlich ja doch frivole Begegnung und Unterhaltung verlaufen ist. Jemanden wiederzusehen, der einem vor mehr als zehn oder fünfzehn Jahren bei erotischen Spielchen begegnet war, ohne daß es in Frendschämen und Peinlichkeiten endet, das ist schon selten. Und beweist, daß die Treffen beim Professor mit ihrer eigentümlichen Mischung aus kultiviert-ironischer Plauderei und versaut-tabulosen Unterbrechungen schon etwas Besonderes waren.

Another big one

Veröffentlicht am

The (female) cast of a TV novella which translates as „The Nine Lives Of Baden“.

Something new….

Veröffentlicht am

Fatima liest (schon wieder)

Veröffentlicht am
Fatima liest (schon wieder)

Stefan Gaffory
Wehe, Du schreibst nichts über die Nits
Gonzo 2016

 

Seit Erfindung des Buchdrucks und der beweglichen Lettern war es nicht mehr nur den Gelehrten und Klerikern vorbehalten, ihre Gedanken und Nachrichten mitzuteilen, und zwar – im Gegensatz zum formlosen Gespräch – mit nach Regeln konstruierten Sätzen, die Absichten, Hintergründe oder Tonfall ausdrücken könn(t)en. Eine ähnliche Öffnung geschieht derzeit im Journalismus, der sich in Online-Magazinen, Foren und Blogs zu einer (auch qualitativen) Vielfalt entwickelt, die durchaus ihre Tücken hat, vor allem wenn so etwas dann in Buchform präsentiert wird und nicht gnädigerweise in den Tiefen der Timeline verschwindet.

Ein Buch wie »Wehe, Du schreibst nichts über die Nits« findet man bei Hugendubel auf dem »Young & Crazy«-Tisch neben Stuckrad-Barre und Tommy Jaud. Es versammelt Artikel und Online-Beiträge des Autors bzw. seines Alter Egos King Bronkowitz zu Musikthemen – Plattenbesprechungen, Polemiken und Listen, offenbar bearbeitet und neu zusammengestellt, teilweise auch plötzlich verwirrenderweise aus der Gegenwart kommentiert – und es ist ein Vergnügen, dies zu lesen.

Dem Autor wird in einem der Vorworte ein »Selbstbewußtsein so groß wie der Assuan-Staudamm« bescheinigt, und wenn er ohne Rücksicht auf Verluste oder Fakten vom Leder zieht, dann beeindruckt nicht nur sein Repertoire an derb-zynischen Formulierungen (speziell seine Hoden scheinen ein unversiegbarer Quell der Inspiration zu sein), sondern man spürt in jeder Zeile, daß sich hier eine gigantische Musikbegeisterung mitteilt. Was nicht immer von Vorteil ist.

Gaffory gibt selbst zu, daß er ein Nerd ist. Alben werden hier »erarbeitet«, ständig müssen »Best Of«-Listen seinem ausufernden Jäger-und-Sammler-Drang Struktur geben, und schlichtweg absurde Informationen (»gekauft 2004 im Studio Eins, Karlsruhe«: vielen Dank von den Historikern der Nachwelt!) lassen einen zweifeln, ob man nicht wieder einem seiner sarkastischen Scherze auf den Leim geht. Diese in Foren- oder Blog-Einträgen durchaus sinnvollen Daten und Anekdoten aus dem Autoren-Leben wirken zwischen zwei Buchdeckeln dann doch arg selbstverliebt – der Sprung vom Privaten ins Allgemeine wird viel zu selten gemacht. Und (womit wir beim neuen Online-Journalismus sind:) Substanz kommt leider viel zu kurz. Eine Plattenkritik mit einem Dutzend Zeilen, in denen die Musik und die erste Reaktion des Kritikers beschrieben wird, ist OK für eine Musikzeitschrift, aber in einem Buch, als Teil von »Iggy Pop – Ein Wegweiser durch die Discographie«? (Es gibt da ja immerhin dieses Internet…) Im Gegensatz zu Schreibern wie Jens Balzer (bei dem selbst die mißmutige Schilderung eines Festivalbesuchs zu einer erhellenden Miniatur über Hipster und Hype gerät) wird hier nicht verglichen, nicht versucht zu analysieren, z.B. warum dieser Musiker namens I. Pop von Album zu Album sowohl ewige Klassiker als auch schlechtberatene bzw. mißlungene Werke abliefert, weshalb jemand, der sich als Rebell und eigensinniger Querkopf darstellt, sich offensichtlich bei fast jeder LP von Produzent oder Plattenfirma reinquasseln und sich willig manipulieren läßt… Stattdessen liest man Sätze wie »Dummerweise fällt mir auch sonst zu der Platte nichts Besseres ein.« Aber eine Liste, na klar, und vollständig ist sie auch, na klar.

Bizarr (und natürlich besonders unterhaltsam zu lesen) wird es, wenn Herr Gaffory richtig ausrastet. »Out Of Time« von R.E.M. wird in einem speziellen Artikel in Grund und Boden verdammt (er hat es vor 20 Jahren höchstens dreimal gehört) und nebenbei der verläßlich großartige Malibu-Versand (R.I.P.) gedisst, und Bob Dylan mag der Autor ebenfalls nicht. Allerdings werden keineswegs Dylans Fähigkeiten oder z.B. seine Rezeption bei der Grunge-Generation thematisiert, sondern der Beitrag befaßt sich zur Hälfte mit Bands aus dem Rheinland, die Tom Waits-Songs covern. Das wird diesem Dylan zu denken geben. (Daß der Verlag ausgerechnet diesen lahmen, miserabel konstruierten Text als Leseprobe bei Amazon präsentiert gibt ebenfalls zu denken). (Übrigens: warum soll eigentlich nichts über die Nits geschrieben werden? Reimzwang? Oder sind die längst vergessenen US-Metal-Surfer Nits gemeint, und nicht die holländischen Pop-Exzentriker??)

Nach mehr als 300 Seiten bleibt allerdings der Eindruck, daß der Autor irgendwann bei aller Egozentrik und Gefallen an der eigenen Wichtigkeit die Lust verloren hat: Das Geflecht aus Kommentaren, Einführungen, längeren Zitaten und Fußnoten wird irgendwann undurchdringlich, und wie Mario Barth findet auch Gaffory seine eigenen Witze supertoll, folgerichtig tauchen manche Sätze und Wortwendungen gleich mehrmals auf – da hätte ein Verlagslektor vielleicht mal eingreifen sollen (der dann wohl sichergestellt hätte, daß die eingangs großspurig verkündete Beibehaltung der alten Rechtschreibung – Punk! – auch durchgehalten wird). Aber gut, es wird nirgendwo behauptet, daß man es hier mit einem historisch-kritischen Musik-Fachbuch zu tun hat – das hätte wohl sicher nicht die (man kann es nicht oft genug erwähnen:) beeindruckend-vergnügliche Sprachpower dieses Buches gehabt; immerhin hat die Lektüre dazu geführt, daß längst vergessene Alben von Public Enemy und Sade wieder auf meinem Plattenteller gelandet sind. Aber die Passagen über die Noiserock-Szene, über G.G. Allin, und die Live-Berichte zeigen, daß der Autor durchaus in der Lage ist, originelle, atmosphärisch dichte, begeisternde und gleichzeitig informative Texte abzuliefern. Optional auch mit eingestreuten Hoden-Metaphern.

nits-liest-main

Miniatur in Freudscher Unterwäsche

Veröffentlicht am

Mein Hüfthalter bringt mich um. Eingeschnürt und eingezwängt in dieses antiquierte Kleidungsstück, mit seinen Haken und doppelt genähten Verstärkungen, das hautfarbene Material schwach glänzend und…

Source: Miniatur in Freudscher Unterwäsche