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She’s Reading Again: More About Mahavishnu

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She’s Reading Again: More About Mahavishnu

Echoes From Then
Glimpses Of John McLaughlin 1959-75
by Colin Harper
Market Square 2017

Years ago there was a band in Berlin who showed up in unexpected places as support, or played small clubs. The five-piece was called The Paul Breitner Trio (of course) and they used to play slightly left-field cover versions – a note-for-note acapella „Bohemian Rhapsody“, or a raspily growling Tom Waits-take on „Bridge Over Troubled Water“. And they had a jazz-rock/fusion spot in their show: they would play a popular melody (say, „Egyptian Reggae“ or „Winds Of Change“) in unison – and really fast – and then take extended surrealistic solos each, while the others tried to find out in how many different time signatures you could play and still get to the chorus in time. They sounded exactly like the Mahavishnu Orchestra.

Echoes From Then is a companion book to Harper’s John McLaughlin biography from 2014, Bathed In Lightning. It presents additional chapters, interviews and research, loosely divided in two sections: one on the early sixties London music scene, and the other with detailed accounts on the Mahavishnu Orchestra(s) in the studio, at home and on tour, plus much more – discographies, gig listings, music press clippings, etc. It seems one of these music books that you dip into for a few pages from time to time, but it’s a fantastic read!

You get a lively peek into the tedious and (at the same time) fast-moving blues/jazz/cabaret scene in the UK with Graham Bond, Georgie Fame, Duffy Power and assorted Shadows, and while the author’s discussions about certain dates border on the obsessive, you learn something new on every page – how BBC sessions worked, the real names of Ginger Baker and John Paul Jones, and what an „A ball“ gig is (I’m not going to tell you…).

The accounts from musicians and tour personnel on touring in the early seventies are worth a separate book, heartwarming and hilarious at the same time. We learn about traveling with a jet plane full of equipment (and Wishbone Ash) through pre-punk Europe, love affairs in the guru’s headquarters, and a 19-year old violin player buying white (!) platform (!!) overknee (!!!) boots as stage wear. And I have to confess: I hope I’ll never get into a situation where I have to listen to the Mahavishnu Orchestra II (I have the great „Columbia Albums“ box of the first MO, thank you very much).

400plus pages of small print, peppered with footnotes and acknowledgements, illustrated with probably hundreds of small ads from Melody Maker may not be everybody’s (scented) cup of tea, but I read it from cover to cover and had a splendid time. And I’ve even returned to it since, when listening to albums or reissued live gigs from the likes of Ian Carr, John Surman and the mighty Gunther Hampel. Speaking of German jazzers, here’s a rare poster from my vaults:

Two questions remain though: Where the hell was Lou Reed?? And where the hell are the Paul Breitner Trio?

 

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A Normal Friday (at last)

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A Normal Friday (at last)

Slowly – but steadily – getting in shape again:

  

 

Kurze Unterbrechung

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Kurze Unterbrechung

Wenn die Ärztin während der Untersuchung plötzlich »Ach du liebe Scheiße« murmelt und im Vorzimmer ein Taxi bestellen läßt, dann ist klar daß die Routineuntersuchung einen unerwarteten Verlauf nimmt. 90 Minuten später sitze ich – nach weiteren Untersuchungen und Tests, immer noch in sommerlicher Straßen-/Bürokleidung – in einem mit medizinischen Equipment vollgestellten Raum im Klinikum Neukölln und kann beobachten, wie zwei Ärzte auf einem Bildschirm bunte Excel-Felder hin- und herschieben, um einen sofortigen Operationstermin zu organisieren. Und spätestens als mir meine herbeigeeilte Mitbewohnerin eine Sporttasche mit dem »Nötigsten« in die Hand drückt wird mir klar: ich bin nicht nur (was selten genug vorkommt) in medizinischer Behandlung, ich bin ein Notfall.

Nun ist das ein Lebensbereich, in dem ich überhaupt keine Erfahrung habe, und bei der Aufnahme beantworte ich die Frage nach der letzten stationären Behandlung mit »Vor 35 Jahren, in Marokko: werden Sie in Ihrem Computer wohl nicht finden…«. Eigentlich sollte (zumindest leichte) Panik einsetzen, aber eins nach dem anderen kommt auf mich zu, und nachdem ich den Narkosearzt auf die Wirkung von Meditation hingewiesen habe, rollt alles über mich hinweg.

Zehn Tage später, und nach zwei erfolgreichen Operationen darf man dann wieder am Normalleben teilnehmen: U-Bahn-Verkehr unregelmäßig, Chia-Brötchen sind aus, 241 ungelesene Nachrichten, und gibt es eigentlich ein neues MOJO?

Immerhin:

• Alle wichtigen Angaben zur Person und Gesundheit werden mindestens dreimal von verschiedenen Leuten in offenbar unterschiedliche Datensysteme eingegeben. Natürlich mit jeweils neuer Unterschrift zur Datenschutzerklärung – daher kann auch niemand auf die Angaben des anderen zurückgreifen. Und neuerdings muß man offenbar ausdrücklich zustimmen, daß der behandelnde Arzt die Patientenakte online lesen darf. Andererseits habe ich – vom Stations-Personal bis zum Chefarzt – noch nie mit so vielen Leuten zu tun gehabt, die ständig mit farbigen Markern und Kugelschreibern auf schlampig layouteten Word-Ausdrucken herumkrakeln. Analog lebt! (Andererseits wurde mir ungefragt Name und Adresse meines Hausarztes präsentiert: »Ja, den zeigt mir Das System an…«)

• Auch ein Einzelzimmer-Zuschlag kann nicht verhindern, daß man um Punkt sieben Uhr morgens von nicht einem, sondern zwei Presslufthämmern geweckt wird, die geschlagene 90 Minuten vor dem Fenster des Krankenzimmers alte Fundamente im Klinik-Park aufbröseln. Worauf dann – nach ausgiebiger lautstarker Beratung des Bautrupps – ein Bagger zum Einsatz kommt.

• Die eigentliche Genesung-Zeit zerfällt in 30- oder 45-Minuten-Einheiten: kaum hat man sich einen Tee zubereitet und auf Lesestoff oder Hörgenua konzentriert, ist es auch schon wieder Zeit für Tropfen, Medikamente, Infusionen, »kommen Sie doch in 10 Minuten zum Labor 3«, oder eine weitere (durchaus köstliche) Mahlzeit wird serviert; gefolgt von einem Blutzuckertest: »na gut, den hätten wir uns auch sparen können…«

• Während des Klinik-Aufenthalts befand sich die Medienwelt wieder mal im WM-Fieber (Fußball offenbar) – zum Glück funktionieren die Fernseher in den Krankenzimmern allesamt mit Kopfhörer. Als ich mich am Abend nach meiner ersten Operation jedoch in den Schlaf begeben wollte, wurde das durch lautstarkes Jubeln, Johlen und Applaus vor meinem Zimmer verhindert. Es spielte die deutsche Mannschaft (zum einzigen Mal siegreich) und das Personal der Nachtschicht hatte sich zum private viewing versammelt – natürlich bei geöffneter Tür, damit man mitbekommt, was auf der Station passiert. Die Überraschung kam dann beim Abschluss des Spiels: überall auf dem Klinikgelände wurden Sylvester-Raketen und Böller aus den Fenstern geworfen. Welcher Schwachkopf um alles in der Welt nimmt Feuerwerkskörper mit ins Krankenhaus??

Bloomsday

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Bloomsday

Cold Music

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Cold Music

Preisen wir den Unterrock

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Preisen wir den Unterrock

Zugegeben – ich mochte ihn nicht. Meine Tanten hatten immer darauf bestanden, daß unter langen Kleidern (und es gab nichts anderes als lange Kleider und Röcke…) ein Unterrock oder Unterkleid getragen wurde. Aus durchscheinender Synthetik, pastellfarben, mit dünnen Trägern und Spitze im Oberteil, und mindestens bis zum Knie reichend. Als ich dann alt genug war, um auf Jeans und Shirt zu bestehen, hatte sich auch das Thema Unterrock fürs erste erledigt. Obwohl es im Fernsehen diese alten Filme gab, mit Elizabeth Taylor oder Sophia Loren – und beide schienen den halben Tag lang im Unterkleid herumzulaufen, und das hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Wenn man sich dann schließlich mehr und mehr für Retro-Kleidung entscheidet (besonders was das Darunter angeht), ist es allerdings unvermeidlich: all die Häkchen, Knöpfe, Clips und Schleifen machen sich unweigerlich bemerkbar, und Abhilfe schafft das schicke Unterkleid: das Material nicht zu filigran, aber schön geschmeidig und glatt fließend.

Und natürlich hat es auch seine erotischen Reize, dieses Zwischenstadium wenn man ausgezogen ist – aber nicht nackt. Wenn pralle Rundungen schwer im dünnen Stoff liegen, die Blöße unter straffen Falten und bestickten Säumen zu erahnen ist. Ich bin mir ziemlich sicher, daß manche der Herren, die mir dabei zugeschaut haben wie ich „Hausarbeit“ im gerüschten,  altmodischen Unterkleid erledigt habe, nicht nur fragwürdige Erinnerungen aufgefrischt haben… der (oder die) einzelne wird zu feuchten Spielen inspiriert worden sein, möchte das nass auf der Haut klebende Material erkunden, ertasten was drunter ist…

Es bleibt allerdings der einfache praktische Nutzen – gerade ein figurbetonter langer Rock trägt sich ausgesprochen angenehm über einem Unterkleid: da schwingt und fließt der Stoff, ohne das es hakt oder aufträgt. Und wenn man nach der Arbeit zuhause ist, kann man den Rest des Tages im Unterrock verbringen. Wie die Loren: ausgezogen, aber nicht nackt.

Bücher des Jahres

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Bücher des Jahres

Eine der angenehmsten Überraschungen des letzten Jahres war die deutsche Veröffentlichung der »Lady Killer«-Bände bei Dark Horse/Panini. Die Geschichten um die »Hausfrau, Mutter und Auftragskillerin« im Amerika der 50er Jahre wurde von der »Helheim«-Zeichnerin Joelle Jones stilsicher gezeichnet in einem Mix aus franko-belgischer Ligne Claire und zeitgemäßer Experimentierfreude mit Layout und Farbgebung. Offensichtlich ist die Freude an der Gegenüberstellung von pastellenem Familienleben (mit Kindern, Hund und einem schlichten Gatten) und der splitter-mäßigen Schilderung der nicht immer nach Plan verlaufenden Morde.

Und nicht nur bei Blutspritzern und zerstückelten Opfern zeigt sich eine fabelhafte Lust am treffend dargestellten Material und Detail: allein die Strümpfe der Protagonistin sind einen zweiten Blick wert – von den hautfarbenen Nylons der Hausfrau über Feinstrümpfe mit Strapsen bei der Tupperware-Party bis zur Strumpfhose mit Naht im Striplokal… Und vor allem steht die zeichnerische Meisterschaft im Dienst der Story – die Handlung schlägt immer wieder Tarantino-artige Haken und spielt lustvoll mit dem buchstäblichen Zerstückeln der erwartbaren Klischees.

 

Die beiden anständig produzierten Softcover-Bände enthalten zusätzliche Sketchbooks mit Titelseiten, Skizzen und anderen Artworks und Ideen.

Joelle Jones/Jamie S. Rich: Lady Killer | Band 1 | 136 Seiten | Panini Comics

Joelle Jones/: Lady Killer | Band 2 | 136 Seiten | Panini Comics