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Stille Nacht allerseits

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Stille Nacht allerseits

Wenn ich an dieser Stelle mal eine Weile nichts Erotisches berichtet habe, kommen gelegentlich besorgte Anfragen, ob man denn der Lust und den Trieben nun entsagt hätte. Da kann ich immer nur darauf hinweisen, daß mein Geplauder hier kein Tagebuch oder so eine Art Überwachungsprotokoll ist – manchmal gibt es einfach nichts Neues zu erzählen. Und immer wieder zu berichten, was bei einem Rollenspiel getragen, ausgezogen – und vollzogen wurde, führt unweigerlich zu ermüdenden Wiederholungen: was in der Realität immer wieder aufs Neue erregend und ekstatisch ist, hört sich im Bericht dann eher nach Prahlerei an.

Auch zum Fest der Liebe gibt es wenig in punkto Erotik zu erzählen. Allerdings führt eine solche Aneinanderreihung von Feiertagen immer dazu, daß es (nicht nur in dieser Stadt) jede Menge Fetisch- und sonstige Parties gibt, und manch einer hat das Bedürfnis diese Unmenge an Freizeit mit speziellen Aktivitäten zu füllen. Nun weiß ich ja nicht in jedem Fall, wie meine Adresse in einschlägigen Kreisen die Runde macht – es erreicht mich jedoch regelmäßig eine hübsche Anzahl an Einladungen, Aufforderungen und Zumutungen. Dieses Jahr dabei:

• Zwei (naja, eigentlich drei…) Angebote, als »Hausmädchen« beim Weihnachtsdinner zu servieren.

• Option auf einen Opernbesuch mit »diskretem, ungestörten« Logenplatz.

• Einladung zum Weihnachtsabend im viktorianischen Stil.

• Eine Lokalität im Rotlichtmilieu lädt zum Besuch am Heiligabend und Silvester ein: »alle Drinks aufs Haus!«

• Ein dominanter »Sir« in »Gummi« sucht eine Bauchtanz-Sklavin »zur Benutzung. Melde dich!«

• Zwei Paare bieten Kost & Logis für die Weihnachtswoche als »Gespielin« – in Magdeburg (»wir holen dich ab.«)

Neugierig gemacht hat mich der viktorianische Heiligabend. Und so fand ich mich dann – nur einen kurzen Fußweg von meiner Wohnung – in einem Restaurant in »geschlossener Gesellschaft« wieder, begrüßt von zwei Herren, die ich in erheblich erotischerem Zusammenhang kennengelernt hatte. Diesmal allerdings waren maßgeschneidertes Korsett, Bloomers und Strumpfbänder unter dem taillierten Samtkleid nur zu erahnen: hier ging es um stilgerechte Kleidung – jeder hier sah aus wie die Nebenfigur aus einer Charles Dickens-Verfilmung, und unter den Damen mit ihren streng geschnürten üppigen Formen, in ihren raschelnden langen Röcken und Kleidern fühlte ich mich gleich heimisch.

Das Lokal – eine Mischung aus märkischem Fachwerk und Steampunk-Ambiente – servierte traditionelle Alt-Berliner Weihnachtsgans, und die Zeit verging viel zu rasch bei interessantem Erfahrungsaustausch über viktorianische Mode und dem entsprechenden Drum und Dran. (Ganz zu schweigen von Praxistips auf der Damentoilette: nicht jeder Aufenthalt dort muß mit langwierigen Aus- und Anziehbemühungen verbunden sein…) Zu meinem Erstaunen endete der gesittete Abend mit dem gemeinsamen Besuch einer Weihnachtsmesse in der nahegelegenen katholischen Kirche – eine beeindruckende Erfahrung. In diesem Sinner: Frohes Fest.

Über fatimaxberg

Ich lebe, arbeite und vergnüge mich in Berlin. Ich mag Hijab und Jeans, enge Korsetts und weite Röcke, High Heels und Sneakers, und verbringe eine Menge Zeit damit, mich an- und auszuziehen.

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  1. Viktorianische Weihnachten klingt ja Super. Hast du vielleicht auch ein Foto von deinem Kleid was du getragen Hast?

    Antworten
  2. Pingback: Die kleinen Sünden zwischen den Jahren | die liebeszeitung

  3. Pingback: Frühe Bilanz | Fatima Xberg's Blog

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